Onboarding für Berater?

Wir erwarten von externen Beratern, dass sie unser Unternehmen verstehen. Aber geben wir ihnen überhaupt die Gelegenheit dazu?

Beratung steht häufig in der Kritik. Zu teuer. Zu theoretisch. Zu wenig Ergebnis.

Die Gründe für gescheiterte Beratungsmandate sind vielfältig: unklare Ziele, veränderte Rahmenbedingungen, mangelnde Praxiserfahrung oder schlicht die falsche Besetzung.

Eine sorgfältige Auftragsklärung ist deshalb unerlässlich.

Aber reicht sie aus?

In Gesprächen mit Unternehmern begegnen mir immer wieder Vorbehalte gegenüber externer Beratung. Manchmal führen sie sogar dazu, dass ein Auftrag gar nicht erst zustande kommt.

Gleichzeitig erlebe ich in einem aktuellen Mandat, wie wertvoll es ist, ein Unternehmen tatsächlich kennenzulernen.

Und das bringt mich zu einer Frage:

Brauchen externe Berater eine Art Onboarding?

Nicht nur, um Organigramme, Prozessbeschreibungen und Kennzahlen zu verstehen.

Sondern um die gelebte Wirklichkeit kennenzulernen.

  • Wie werden Entscheidungen tatsächlich getroffen?
  • Wer sind die Schlüsselpersonen – unabhängig von ihrer Position?
  • Welche ungeschriebenen Regeln bestimmen die Zusammenarbeit?
  • Wie wird mit Konflikten, Fehlern und Veränderungen umgegangen?
  • Und wie groß ist der Unterschied zwischen beschriebener und gelebter Unternehmenskultur?

Das alles steht selten in einer Präsentation.

Natürlich geht es weder um wochenlange Einarbeitung noch darum, Teil der Organisation zu werden.

Im Gegenteil: Die professionelle Distanz und der Blick von außen müssen erhalten bleiben.

Aber wer Veränderungen begleiten, Strukturen entwickeln oder Prozesse verbessern soll, muss verstehen, auf welche Wirklichkeit seine Empfehlungen treffen.

Denn die fachlich beste Lösung kann wirkungslos bleiben, wenn sie an der gelebten Unternehmenskultur vorbeigeht.

Dafür braucht es neben einer guten Auftragsklärung auch einen bewussten Einblick in das Unternehmen. Und die Bereitschaft, diesen Einblick zu ermöglichen.

Das kostet etwas Zeit. Aber möglicherweise deutlich weniger als eine Beratung, deren Empfehlungen später nicht umgesetzt werden.

Wer trägt eigentlich die Verantwortung dafür, dass ein Berater das Unternehmen wirklich kennenlernt? Der Berater selbst? Oder auch der Auftraggeber?

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